MAZ - 2016-03-10

Döpfner erhält größeren Park

Stadt will sich an Gartenpflege an der Villa Henckel nicht beteiligen

Zusätzliche öffentliche Parkflächen für Springer-Vorstand Mathias Döpfner – ja; Geld aus dem Stadtsäckel für die Pflege des Parks an der Villa Henckel – nein. Auf diesen einfachen Nenner kann man das Abstimmungsergebnis im Bauausschuss am Dienstag bringen.

Durch die Bank einig war man sich im Bauausschuss in einer Sache: Geld für die Pflege wird die Stadt Potsdam nicht bezahlen. Die künftig anfallenden Pflege- und Unterhaltungskosten des öffentlichen Geländes in Höhe von bis zu 215 000 Euro jährlich sollen nicht aus der Stadtkasse kommen.

 „Es kann nicht sein, dass man – wenn es um ein Entgegenkommen geht – auch noch Geld drauflegen muss“, fasste beispielsweise Lars Eichert (CDU) den Widerwillen zusammen. Ausschussvorsitzender Ralf Jäkel (Linke) sagte: „Es ist nicht Aufgabe der Stadt, hier nur einen Euro reinzugeben.“ Sogar Saskia Hüneke (Grüne), die Döpfners Engagement bei der Wiederherstellung des historischen Parks für begrüßenswert hält, lehnte eine städtische Parkpflege-Beteiligung rundheraus ab.

Dies sollen entweder der Konzernchef oder die Schlösserstiftung aus eigener Tasche bezahlen, so die einhellige Meinung. Der Park der Villa Henckel ist im Eigentum der Schlösserstiftung. Diese will Döpfner im Gegenzug für die Sanierung des Parks und der Villa Schlieffen – Kostenpunkt: mindestens 1,8 Millionen Euro – einen Nießbrauch über 40 Jahre und somit auch eine private Parknutzung einräumen. Als diese Pläne bekannt wurden, gab es aber einen Proteststurm. Auch im Rathaus fühlte man sich außen vor. Der Vertrag war nämlich ohne Einbeziehung der Stadtverwaltung geschlossen worden.

Die Bauausschuss-Mitglieder sparten am Dienstag nicht mit Seitenhieben gegen dieses Vorgehen. „Zwei Alphamännchen haben da hinter unserem Rücken einen Vertrag abgeschlossen“, ätzte SPD-Fraktionsvize Pete Heuer. Mit den „Alphamännchen“ waren offensichtlich Springer-Chef Döpfner und der Generaldirektor der Schlösserstiftung, Hartmut Dorgerloh, gemeint. Eigentlich sei dieses „feudal-absolutistische Vorgehen nicht zu tolerieren“, so Heuer weiter. „Aber wir müssen dennoch eine Kompromiss-Lösung finden.“ Sprich: Döpfner soll zusätzliche 5500 Quadratmeter des öffentlich gewidmeten Parks zur Privatnutzung erhalten und im Gegenzug den Park und die Villa Schlieffen sanieren. Die Mehrheit im Bauausschuss folgte dieser Kompromissvariante, die von der Stadtverwaltung zu Jahresbeginn präsentiert worden war. Die Linken stimmten dagegen. Auch Anja Heigl und André Tomczak („Die Andere“) sind gegen einen Flächengewinn für Döpfner.

Rechtsanwalt Manfred Dengel, der für Mathias Döpfners „MDB Vermögensverwaltung“ spricht, kommentierte das Bauausschuss-Votum gegen die Mitfinanzierung der Parkpflege-Kosten am Mittwoch sehr gelassen: „Es war nie eine Forderung von Herrn Döpfner, dass sich die Stadt an irgendetwas beteiligen soll“, sagte er. „Weil sich aber der Oberbürgermeister so weit aus dem Fenster gelehnt hat, diskutieren wir heute darüber, in welcher Höhe sich die Stadt beteiligen soll.“ Dengel begrüßte das Mehrheitsvotum zugunsten des Flächenzugewinns für Döpfner. Er halte es „nicht für vollkommen ausgeschlossen“, dass die Pflege- und Unterhaltungskosten zwischen Döpfner und der Schlösserstiftung aufgeteilt werden. Demnächst soll es ein Treffen zwischen Stiftung, Stadt und MDB-Vertretern geben.

Stiftungssprecher Frank Kallensee schloss am Mittwoch auf Nachfrage aus, dass die Schlösserstiftung die Pflegekosten aufbringen könne: „Dies war ja der Ausgangspunkt für die Stiftung, einen Partner für die Wiederherstellung und Pflege des Parks der Villa Henckel und der Villa Schlieffen zu suchen. Die MDB war dazu dankenswerterweise bereit“, so Kallensee. Auch er vergisst nicht zu erwähnen, dass eine finanzielle Beteiligung der Stadt an den Pflegekosten „nicht von der Schlösserstiftung, sondern ursprünglich von der Stadt vorgeschlagen worden“ sei.