19.07.2010 - MAZ

POLITIK: Piratenkapitän zieht in den Bürgermeister-Wahlkampf Marek Thutewohl will kandidieren statt meckern

Lutz Boede auf Platz 2

Zwar wurde es immer erst politisch konkret, wenn Lutz Boede das Wort ergriff. Der langjährige Anti-Wehrpflicht-Aktivist und Geschäftsführer der Wählergemeinschaft Die Andere nahm am Sonnabend im „Haus der Begegnung" am Oberbürgermeister-Casting teil, das man sich beim Stadtverband der Piratenpartei ausgedacht hatte.

Den ersten Platz unter vier Kandidaten verfehlte Boede knapp - trotz Forderungen nach dem Bau eines zweiten Studentendorfs oder kostenlosem öffentlichen Nahverkehr.
Auf dem Goldrang landete Piraten-Stadtchef Marek Thutewohl - vielleicht, weil nicht wenige der knapp 30 Anwesenden aus seiner Partei oder deren Umfeld kamen und diese nun Wahlkampf für den 45-jährigen Fahrlehrer machen werden.


Nicht überzeugen konnten der bündnisgrüne Kreisvorsitzende Jens Dörschel, der „seine" OB-Kandidatin Marie-Luise von Halem vertrat, und Christian Schönauer, der erst seit 2007 in Potsdam wohnt und sich als Parteiloser zur Wahl stellen will: „Ich spüre die Verpflichtung, mich einzubringen."


Gefragt nach den brennendsten Themen in der Stadt nannte Boede bezahlbaren Wohnraum, der beispielsweise über den Ankauf von Belegungsrechten in allen Stadtteilen gesichert werden könnte. Von der kommunalen Gewoba verlangte Boede, die Gewinne aus Vermietungen wieder in den Bau sozialen Wohnraums zu stecken. Zudem könne Potsdam, statt das Grundstück für die Garnisonkirche kostenlos wegzugeben, bei Repräsentationsbauten sparen.


Casting-Sieger Thutewohl beklagte „lebensgefährliche" Spielplätze, zu große Grundschulklassen und eine on Autos verstopfte Innenstadt. Um nicht nur meckern zu müssen, möchte er eine „Alternative zu Kandidaten bieten, die aus fernen Gestaden kommen und Potsdam nicht einmal kennen".

Dörschel versprach, die Konzepte für Klimaschutz und Radwege konsequent um- und sich für neuen Wohnraum einzusetzen. Derweil will Schönauer gegen den „Schlendrian" in der Stadt vorgehen, der zur „Kloake" am Hauptbahnhof geführt habe. (Von Ricarda Nowak)